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Feier zum Tag der Deutschen Einheit: Wie ein Schlauchboot Detlef Hellmuth ins Gefängnis brachte

  • hansjoergdurzma069
  • 7. Okt.
  • 2 Min. Lesezeit
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Adelsried. Der Bundestagsabgeordnete Hansjörg Durz gedenkt jährlich mit einer Festveranstaltung dem Tag der Deutschen Einheit. In diesem Jahr lud er nach Adelsried. Dabei war mit Detlef Hellmuth ein Republikflüchtling, der Dank Strauß in Reutern eine neue Heimat fand.

 

„Willkommen in der Freiheit“, habe ihn der Grenzbeamte im Jahr 1984 willkommen geheißen, „und dann kam ich nach Bayern und ich war glücklich“. So schloss Detlef Hellmut sein Gespräch mit Hansjörg Durz, das im Mittelpunkt der diesjährigen Festveranstaltung zum Tag der Deutschen Einheit stand. Durz hatte den Wahl-Reuterner eingeladen, um über dessen Lebensgeschichte zu sprechen, die exemplarisch zugleich ein Spiegel der deutsch-deutschen Geschichte ist, wie sie die Unmenschlichkeit der DDR-Diktatur anschaulich macht. Hellmuth nämlich wurde 1955 in Berlin geboren, das sogar in die Familie eines hochrangigen SED-Funktionärs, was ihm nicht allein die Möglichkeit verschaffte, Westfernsehen zu konsumieren. Zugleich ersparte es dem jungen Mann, der laut eigener Einschätzung bereits früh „mit einer echten Berliner Schnauze und Revoluzzergeist“ gesegnet war, viel Ärger in der Schule. Seit seiner Jugend weigerte Hellmuth sich nämlich regelmäßig, sich unter die Diktate des kommunistischen Unrechtsstaates unterzuordnen – keine FDJ, keine SED, Schulschwänzen bei Staatsbürgerkunde. Der Alltag sei von einer Atmosphäre ständigen Misstrauens geprägt gewesen, jeder habe Angst vor seinem eigenen Nachbaren gehabt und zugleich sei jedem die Verlogenheit der öffentlichen Parolen einerseits und der Doppelmoral der Funktionärselite andererseits bewusst gewesen.

Nach dem Militärdienst sei für ihn der Entschluss gefallen: „Ich muss hier raus.“ In jugendlicher Unbedarftheit entschloss sich Hellmuth deshalb, mit seinem Trabant im Februar 1978 an die Ostsee zu fahren, um mit einem Schlauchboot – „völlig verrückt“, wie er es heute selbst bezeichnet – in den Westen zu fliehen. Bereits am Strand habe ihn jedoch die NVA gestellt, woraufhin er die volle Härte des Systems zu spüren bekommen habe – STASI-Gefängnis Hohenschönhausen, Zuchthaus mit Zwangsarbeit, regelmäßige Verhöre und dabei immer wieder Prügel, mit Knüppeln und Fäusten. Der Arbeiter- und Bauernstaat kannte keine Gnade gegenüber dem Fahrzeuglackierer, der sich nicht den Mund verbieten lassen wollte.

Nach der Haft stand Hellmuth andauernd unter Beobachtung der Staatssicherheit und musste sich regelmäßig bei der Polizei für Befragungen melden, hatte keine Papiere, keine Rechte. Erst 1984 nahm dies ein Ende, mit Franz Josef Strauß. Der Bayerische Ministerpräsident hatte für die DDR einen Milliardenkredit organisiert und als Bedingung daran geknüpft, dass zahlreiche politische Gefangene freikommen müssten. Detlef Hellmuth war einer davon. Er kam nach Bayern, genauer nach Reutern, fand sofort Arbeit in Langweid, bildete sich weiter zum Berufsschullehrer und machte hier Karriere. „Der Weg war richtig“, so sein Fazit heute, auch im Hinblick auf die Ostpolitik nach 1990. Zwar wären selbstverständlich Fehler passiert, aber blicke man heute auf den Osten, der bereits in der DDR der 1980er einem Trümmerfeld geglichen habe, dann seien dort nun wirklich „blühende Landschaften“.

Durz griff diesen Gedanken für die Gegenwart auf und verknüpfte ihn mit dem Impuls von Wallfahrtsdirektor Dr. Michael Menzinger, der im Gottesdienst einen „neuen Geist“ gefordert hatte. „Wir lernen aus der Vergangenheit und müssen diese immer gegenwärtig halten, um auch heute wieder geläufige romantische Märchen über die DDR-Diktatur bereits im Keim zu ersticken“, so der Bundestagsabgeordnete. „Die Aufgabe, vor die uns unsere Geschichte nun heute stellt, ist die Zukunft durch Wandel mutig zu gestalten und dabei zugleich unsere bayerische und deutsche Identität zu bewahren“, gab Durz den zahlreichen Gästen als Botschaft mit auf den Weg.

 
 
 

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